passim
 
Rom 2000 / Wien 2001, 28 Min
Mit: Lea Janninger, Barbara Sankofi, Franz Kapfer, Stimme: Enza Scuderi, Musik: Marcin Stelmasczcyk
Auszug: 02:47 (14,7 MB)
 
Auslöser für passim war der tragische Tod des deutschen Schriftstellers Rolf Dieter Brinkmann im Straßenverkehr Londons in den 1970er Jahren und der Nachruf seines Kollegen Jürgen Theobaldy, der von dem Unfall und den letzten Tagen Brinkmanns schrieb. passim ist ein fiktiver Nachruf an eine flüchtige Begegnung zweier Frauen in Rom, in einer Ich-Erzählung, angelehnt an Brinkmanns Schicksal, erzählt im Videoformat.
 
"Ich werde dir erklären, wie ich die Dinge sehe, und dein Leben wird sich ändern" - frustriert von dieser klaren Diktionen aus der Ferne, hängt Irene, zu Besuch in Rom, den Hörer ein. Den Rest der Zeit verbringt sie gemeinsam mit Freundinnen - vor allem mit der Erzählerin der Geschichte, die in Rom lebt - auf der Suche nach dem leidenschaftlichen Lebensgefühl, das die Stadt des Dolce Vita zu bieten scheint: essend, Boot fahrend, einkaufend, fotografierend und philosophierend erkunden sie die ewige Stadt. Beinah beiläufig rahmt der Unfalltod von Irene den (auto)biografisch gefärbten Reisebericht, der mit den klassischen Stilmitteln einer Autobiographie auch ein aktuelles Porträt einer Frau zeichnet, die sich - in Rom die Dinge selbst betrachtend und erklärend - auf eine berufliche Veränderung konzentriert. Sie will ihren eigenen Blick schärfen und - nicht zufällig - Fotografin werden.
Auslöser für Fiona Rukschcios "passim" war der tragische Tod des deutschen Schriftstellers Rolf Dieter Brinkmann, der im Straßenverkehr in London aus dem Leben gerissen wurde. Dieser lebte - eine weitere Parallele - 1972/73 als Stipendiat in Rom und versuchte in dem in den gesammelten Briefen "Rom.Blicke" seiner Frau Maleen in Köln sein Leben dort möglichst genau darzustellen.
Ähnlich arbeitet Rukschcios Rückblende, die, in der dritten Person erzählt, neben persönlichen Eindrücken von Rom auch die Gedanken, Überlegungen und Motive der Protagonistin und Authentizität im Bereich ihrer Gefühle und Meinungen vermittelt.
Die kitschige Rahmung der Bilder und eine stilisierte Sprache begleiten zusätzlich den fiktiven Nachruf, der bewusst die schmale Gratwanderung zwischen emotionaler Distanz und Betroffenheit wagt.
Christa Benzer