| Simultaneous Disco |
| A 2001, 120 Min, ohne Ton |
| Mit: Erol Nowak, Yasmin Touré, Laura and Bruno, the gifted Alice Ludvig, Christina Tsilidis, Ingrid, Agnieszka Dzierzbicka, A.G.'s friends, Veronika Bilger, Bernhard Fuchs, Styling: Rita Nowak |
| Auszug: 01:30 (6,4 MB) |
| "Warholish and dreamlike, always puritaniacal (...) In the video projection Rukschcio lets us take part on a disco party, just we will not see the masses jumping around but stay in the women´s toilet room - the whole night long". |
| Klaus Pamminger, the gallery channel.com, Dez. 2001 |
| Die fehlende Performance, die mit dem Musik machen an den Turntables oder am PC einher ging, ließ Mitte der 90er Jahre das Visual boomen, das sich an der Schnittstelle Musik/bildende Kunst mittlerweile als eigenes Genre etabliert hat. Spannend war und ist dieses audivisuelle und spartenübergreifende Zusammenspiel für die KünstlerInnen nicht zuletzt deswegen, weil damit jenseits des institutionalisierten Ausstellungsbetriebs neue Räume bespielt und ein "anderes" Publikum adressiert werden konnte. In den meisten Videoproduktionen, die sich in der Folge hauptsächlich an der jeweiligen Musikrichtung orientierten, blieb dieser Kontextwechsel weitgehend unthematisiert. Das tonlose, aber trotzdem rhythmische Visual von der Bildbearbeiterin Fiona Rukschcio hingegen ist nicht zu einer bestimmten Musik komponiert; sie konzentriert sich vielmehr auf die Schaulust der ZuhörerInnenschaft bzw. auf die "Disco" als einen sozialen Ort, der sehr stark von einem Sehen und Gesehen werden, von Posen, Maskeraden und Inszenierungen bestimmt ist. Daß aber gerade dieses spezielle Blickregime, und die damit eng verbundenen Möglichkeiten zur Selbstdarstellung, Spaß und Stimmung sehr wesentlich mit initiieren, wird in der Arbeit von Rukschcio deutlich. Das Setting von "Simultaneous Disco" ist ein künstliches Milieu, eine mit UV-Licht beleuchtete Damentoilette, in der die Künstlerin eine Party stattfinden läßt. Eine fix installierte Kamera, die keinen Überblick, sondern nur einen sehr kleinen Ausschnitt zeigt, beobachtet das Treiben. Ausgestattet mit Perücken setzen sich die Partygäste in dieser atmosphärisch sehr stark aufgeladenen Umgebung aber immer wieder freiwillig dem Flirt mit der Kamera aus, vor der sie eine künstliche Identität annehmen und sich lustvoll selbst inszenieren. "Simultaneous Disco" stellt so eine Art produktiver Voyeurismus aus, der für die aufgeheizt Stimmung und die interagierenden Verhaltensweisen nicht nur stimulierend, sondern nachgerade ausschlagend zu sein scheint. |
| Text: Christa Benzer |