| Le Panthéon |
| Paris 2003, 10 Min |
| Mit: Isabella Venturini, Wladimir Agranat, Peter Gather, Lani Newin, Gerhard Treml, Stimme: Michael Michlmayr, Übersetzung: Birgit und Steve Ball, Musik: Yuji Yasunaga |
| Auszug: 01:18 (6,1 MB) |
| Als ein nationales Monument, das seit 1885 als Gedänkstätte für die grossen Männer der französischen Republik diente, verbindet der Panthéon die Geschichte von Architektur, Staat und Geschlecht auf eine sehr prägnante Weise.
Prägnant, weil das ursprünglich für eine Frau erbaute Grabmal noch heute die Bedeutung, Anwesenheit und Beteiligung revolutionärer Frauenfiguren schlichtweg negiert. Prägnant aber auch, weil in der für die jeweiligen nationalen Zwecke immer wieder neu adaptierten Basilika die offizielle Geschichte Frankreichs bis heute fest einzementiert ist. Einer Geschichte, die nach wie vor und nicht zuletzt auch auf der Vereinnahmung dissidenter Persönlichkeite wie Victor Hugo, Emil Zola oder Jean Paul Marat basiert. Mit dem kleinen, inoffiziellen Eingriff der Künstlerin, der diese Männergeschichte feminisiert, und aus Victor Hugo Victoria, aus Marat Jeanne Pauline oder aus Zola Emilie macht, geht eine subtile Umwidmung einher, die den nationalen Zweck des historischen Monuments von innen heraus subvertiert. Denn das "Gedächtnis", das mit den Nationalhelden der französischen Republik gelten sollte, wird in vollkommen andere Bahnen gelenkt. Mit einer Gruppe von MuseumsbesucherInnen werden die BetrachterInnen des Videos eigentlich sehr konventionell durch die Gedenkstätte geführt. Aber die Feminisierung der berühmten Persönlichkeiten, auf denen das Selbstbewusstsein der Republik beruht, verweist nicht nur auf die fatale Abwesenheit der beteiligten Frauen, sondern bricht mit der offiziellen nationalen Geschichtsschreibung, weil auch die "staatstragenden" Taten der Männer aus ihrer nationalen Vereinahmung gelöst und so unter feministischer Perspektive neu betrachtet werden können. |
| Christa Benzer |